Das Leben ist kürzer, als wir glauben
Das Leben ist kürzer, als wir glauben
29.04.2026
Man lebt oft, als hätte man Zeit. Zeit, Dinge aufzuschieben. Zeit, Gefühle nicht auszusprechen. Zeit, Entscheidungen irgendwann zu treffen.
Doch manchmal passiert etwas, was diese Illusion durchbricht. Ein Mensch, der einmal Teil des eigenen Lebens war, ist plötzlich nicht mehr da. Und mit einem Mal wird alles leiser. Die Umgebungsgeräusche sind nicht mehr zu hören, obwohl die Menschen geschäftig um einen herumtreiben. Nur noch das Pochen meines Herzens nehme ich wahr, mein Körper ist so schwer.
Mit einem Moment verschwindet jede Möglicheit, noch etwas zu sagen, zu klären, oder einfach wahrzunehmen, dass dieser Mensch existiert. Um sicher zu gehen, dass es wirklich stimmt rufe ich die Person immer wieder an. Nur die Mailbox ist zu erreichen. Es ist demnach wirklich wahr... Wirklich begreifen werde ich es wohl erst auf der Beerdigung.
Es bleiben nur noch die Erinnerungen an die Stimme des Menschen, die Nachrichten auf dem Telefon, die gemeinsamen Bilder, die gemeinsamen Erlebnisse der vergangenen Jahre. Vor dem inneren Auge sehe ich noch wie sich diese Person bewegt hat, wie einst die Augen geleuchtet haben. So lebendig...
In solchen Momenten des Verlustes wird klar, wie still das Leben weitergeht und wie endgültig manche Dinge sind. Es gibt keine Möglichkeit den Menschen zurück ins Leben zu holen.
In Erinnerung und zu Ehren dieses Menschen verfasse ich diese Zeilen und ihm die letzte Ehre erweisen.
Im Leben geht es nicht darum, alles perfekt zu machen oder ständig glücklich zu sein. Aber es geht darum, ehrlich zu leben. Sich selbst nicht aufzuschieben. Nicht aus Angst Dinge zu unterdrücken, die einem guttun.
Und doch verbringen viele Menschen Jahre, wenn nicht sogar ihr gesamtes Leben damit, sich anzupassen, um von „anderen“ akzeptiert zu werden, die sie nie akzeptieren werden.
Das Einzige, was wir wirklich haben, ist die Zeit, die gerade da ist. Nicht irgendwann. Nicht später.
Vielleicht bedeutet das, mutiger zu sein.
Vielleicht bedeutet es, loszulassen, was nicht passt. Möglicherweise zunächst in Form eines Rückzugs, um seine Gedanken zu sortieren und dann erst konsequent zu handeln.
Vielleicht bedeutet es einfach, bewusster zu spüren, was einem wirklich wichtig ist und sein Verhalten diesem Gefühl anzupassen und bewusster zu leben.
Der Tod erinnert uns nicht nur daran, dass das Leben endet.
Er erinnert uns daran, dass es überhaupt stattfindet.
Und dass wir eine Wahl haben, wie wir es führen.
Comtessa Liliette